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Kein Abend mit Thilo Sarrazin

Proteste vor dem Hotel Estrel in Neukölln gegen Thilo Sarrazin Zu einem Leserforum lud das „Berliner Abendblatt“ heute in das Neuköllner Estrel Hotel. Unter dem Motto „Deutschland schafft sich ab“ sollten Leser_innen der kostenlosen Wochenzeitung mit diskutieren können. Nicht jeder erhielt Zutritt und so standen neben unzähligen Interessierten auch diverse PressevertreterInnen vor verschlossenen Türen.

Laute Musik, Transparente, Fahnen, Flugblätter. Am heutigen Abend bot sich den Gästen und Angestellten des Hotel Estrel in Neukölln ein ungewohntes Bild. Das Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ hatte zu Protesten vor dem Haus aufgerufen und mehr als 100 Menschen waren gekommen, um gegen den Auftritt des durch seine rassistischen Thesen bekannt gewordenen Thilo Sarrazin zu protestieren.

Das „Berliner Abendblatt“, eine kostenlose Berliner Wochenzeitung, hatte die Leser_innen des Blatts zu einem Diskussionsabend mit dem umstrittenen SPD-Politiker eingeladen. In einer Anzeige zu der abendlichen Veranstaltung hieß es: „Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang und Zuwanderung ergeben.“ Wer den Abend moderieren und ob es noch andere Diskussionsteilnehmer geben sollte, wurde nicht bekannt gegeben und war auch auf Nachfrage vor Ort nicht Erfahrung zu bringen.

„Der Saal ist jetzt voll“

Weiträumig war das Estrel, „Europas größter Convention-, Entertainment- und Hotel-Komplex“, von der Polizei abgesperrt worden. Im Inneren des Gebäudes bildete sich vor dem Veranstaltungssaal eine lange Schlange, einige Anwesende diskutierten lautstark und sichtlich verärgert mit dem Sicherheitspersonal. Nicht ohne Grund. Ursprünglich hatte die Veranstaltung einen öffentlichen Charakter, was die Organisatoren_innen vor einigen Tagen jedoch änderten. Viele Gäste waren darüber nicht informiert und mussten nun darauf hoffen, einen der noch freien Plätze zugewiesen zu bekommen. Dasselbe galt auch für Pressevertreter_innen. Mit dem Hinweis: „Der Saal ist jetzt voll“, wurden sie am Einlass gehindert. Auch bereits akkreditierte stießen auf taube Ohren und eine willkürliche Handhabe. Während die Journalist_innen noch vergeblich diskutierten, wurde ein Fotograf unsanft durch das Sicherheitspersonal aus dem Saal gedrängt.

Mangelhafte Kommunikation

Auch ein Angestellter des Hotels zeigte sich unzufrieden mit den Vorkommnissen. So sei der chaotische, unprofessionelle und selektive Einlass nicht mit anderen Veranstaltungen im Estrel Hotel zu vergleichen. Der Veranstalter habe mangelhaft mit der Hotel-Leitung und dem Sicherheitsdienst kommuniziert. Fraglich ist, ob die Hotel-Leitung aufgrund der Erfahrungen des heutigen Abends, zukünftig von ähnlichen Veranstaltungen absehen wird.

Das Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ hatte bereits im Vorfeld eine inhaltliche Distanzierung durch das Hotel-Management gefordert und warf die Frage auf, ob eine Veranstaltung mit Thilo Sarrazin, „einem Gewerbe, das von Weltoffenheit und Respekt profitiert, zuträglich ist“.

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